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Digitale Wissensräume

Der von DARIAH-DE erstellte Film präsentiert Projekte aus verschiedenen geisteswissenschaftlichen Disziplinen, zeigt welche Rolle Infrastruktureinrichtungen wie Bibliotheken dabei einnehmen und gibt Einblicke in die DH-Lehre und den lebendigen Austausch innerhalb der Community. Im ausgewählten Filmausschnitt stellt Prof. Dr. Nikolai Grube das Projekt „Textdatenbank und Wörterbuch des Klassischen Maya“ vor.

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Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und Künste in Düsseldorf, zusammen mit der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften in Berlin, hat 2014 an der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn die Arbeitsstelle „Textdatenbank und Wörterbuch des Klassischen Maya“ zur Erforschung von Schrift und Sprache der Mayakultur eingerichtet (Pressemitteilung). Ziel dieses von Prof. Dr. Nikolai Grube (Abteilung für Altamerikanistik) geleiteten Vorhabens ist die texttechnologische und epigraphische Aufarbeitung sämtlicher Maya-Hieroglyphentexte, auf deren Grundlage in den kommenden fünfzehn Jahren ein umfassendes Wörterbuch der klassischen Mayasprache kompiliert und ediert wird.

Das mit 5,4 Millionen Euro geförderte Langzeitvorhaben ist methodisch in den digitalen Geisteswissenschaften verortet und wird in Kooperation mit dem eHumanities Forschungsverbund TextGrid (Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen) und mit der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn durchgeführt. Mit dieser Ausrichtung bildet das Wörterbuchprojekt eine wichtige Schnittstelle zwischen digitalen Geisteswissenschaften und Informatik an der Universität Bonn.

Zur Erreichung des Ziels einer lexikalischen Datenbank des Klassischen Maya dokumentiert das Projekt neben den eigentlichen textuellen Informationen weitere Parameter zum Aufbau der Korpusdatenbank. Hierzu zählen etwa die Fundstätten oder Museumssammlungen mit Textträgern, eine Konkordanz von Zeichenkatalogen, eine epigraphische und archäologische Bibliographie, und andere Hilfsmittel.

Diese Listen werden im Laufe des Projektes online verfügbar gemacht und laufend ergänzt und aktualisiert, so dass alle Daten vollumfänglich Open Access zugänglich sind. Neben einer komfortablen Suchfunktion bieten wir den Export der Daten in verschiedene Formate an.

Unter der Projektleitung von Prof. Dr. Nikolai Grube werden die Altamerikanisten Dr. Christian Prager, Elisabeth Wagner, M.A. und Dr. Sven Gronemeyer den Kern des Bonner Forschungsteams bilden und Kooperationen mit Institutionen und Wissenschaftlern im In- und Ausland unterhalten. Aufbau und Wartung der computerbasierten Infrastruktur sowie die Präsentation der digitalen Forschungsdaten basieren auf Kooperationen zwischen dem Projekt und der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn (ULB) sowie der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB), wo im Verbundprojekt TextGrid zwei weitere Projektstellen für Metadaten und Entwicklung eingerichtet sind.

Die Maya sind eine der fünf Kulturen weltweit, die unabhängig voneinander ein Schriftsystem entwickelten. Im Vergleich zu den übrigen Schrift- und Aufzeichnungssystemen in Mesoamerika ist die Hieroglyphenschrift der Mayakultur das einzige lesbare Schriftsystem, das über einen Zeitraum von rund 2000 Jahren verwendet wurde. Die frühesten Textzeugen stammen aus dem guatemaltekischen Tiefland und entstanden im 3. Jahrhundert v. Chr. Die ersten Texte mit Kalenderdaten in der Notation der Langen Zählung (long count) datieren zwischen 36 v. Chr. bis 126 n. Chr. und finden sich im Hochland und an der Pazifikküstenregion Guatemalas. Der Schriftgebrauch in diesen Regionen brach am Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. allerdings ab. Die erste, sicher datierbare Hieroglypheninschrift in der Folgezeit datiert aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. und stammt erneut aus dem Tiefland. Aus heutiger Forschungssicht liefert sie einen weiteren Beleg für die lange und intensive Maya-Schrifttradition, die in der Klassischen Periode (100 – 810 n. Chr.) ihren Höhepunkt erreichte. Sie dauerte bis zur Ankunft der spanischen Eroberer im 16. Jahrhundert an und wurde bis in das späte 17. Jahrhundert im Untergrund fortgeführt.

Der Durchbruch in der Entzifferung der Mayaschrift fand erst in den 1950er Jahren statt, und viele Fragestellungen sind in der Forschung noch ungeklärt. An dieser Stelle setzt das Projekt “Textdatenbank und Wörterbuch des Klassischen Maya” an.

Wir geben hier einen allgemeinen Überblick zum Aufbau und zur Funktionsweise des Schriftsystems. Im Einklang mit der Zielsetzung des Projekts umreißen wir an dieser Stelle auch aktuelle Forschungsfragen, Desiderata und konkrete Problemfelder, deren Schließung das Anliegen des Projekts ist.

Fundstätten

Die Arbeitsliste umfasst primär nach Appellativa sortiert die Ruinenorte in Mesoamerika, wo bislang Maya-Hieroglypheninschriften im Zuge archäologischer Erkundungen und Ausgrabungen entdeckt und nachweislich dokumentiert wurden.

Sie bildet die Grundlage des Inschrifteninventars, das derzeit in der Bonner Arbeitsstelle vorbereitet und auf der Projektwebsite ebenfalls als separate, dynamische Arbeitsliste veröffentlicht und gepflegt wird. Mit diesen Materialien bietet das Projekt einen Überblick über die bisher dokumentierten Fundorte mit Angabe der jeweils dort entdeckten Inschriftenträger.

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Fundstätten- und Metadatenkonzept

Einleiten möchten wir unsere Zusammenstellung der Ruinenorte mit einer Diskussion des Fundortbegriffs, den wir im Rahmen des Projekts als terminus technicus verstehen. Die Geschichte und Bedeutung bisheriger Fundstättenlisten wird im Anschluss beleuchtet, da sie konzeptionelle Vorlagen für die hier vorgestellte Arbeitsliste bilden, deren Struktur und Metadatenfelder abschließend vorgestellt werden.

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Museen und Sammlungen

Außer den Gebäuden und Monumenten an den Fundorten selbst, bilden die zahlreichen Objekte in Museen und Sammlungen eine wesentliche Quelle für die Erstellung des für den Aufbau der Korpusdatenbank erforderlichen Inventars an Mayainschriften.

Die folgende Liste soll alle für die Wissenschaft und die interessierte Öffentlichkeit zugänglichen Sammlungen von Objekten der Mayakultur in Museen und archäologischen Stätten für Recherchen zur Verfügung stellen. Die Liste ist nicht statisch, sondern wird laufend aktualisiert und ergänzt, die letzten Änderungen sind in der rechten Seitenleiste zu finden, ebenso das letzte Änderungsdatum bei jedem Eintrag.

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Zielsetzung

Ziele des Projekts sind die Erschließung dieses Ausgangsmaterials in einem digitalen Textkorpus und die Kompilation eines Wörterbuchs des Klassischen Maya, das als Datenbank und in gedruckter Form den gesamten Sprachschatz und dessen Verwendung in der Schrift abbildet.

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Nikolai Grube

Studium der Altamerikanistik, Ethnologie, Altorientalistik und Indologie in Hamburg. Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes. 1989 Promotion in Hamburg mit einer Arbeit über die Entwicklung der Mayaschrift. Nach der Promotion Wechsel an die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und Organisation der Ausstellung „Die Welt der Maya“ in Zusammenarbeit mit dem Roemer-und-Pelizaeus-Museum Hildesheim.

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Christian Prager

Studium der Altamerikanistik und Ethnologie, Vor- und Frühgeschichte und Klassische Archäologie an der Universität Bonn. 2013 Promotion über Göttervorstellungen der Klassischen Maya im Fach „Ethnologie unter besonderer Berücksichtigung der Altamerikanistik“. Seit 2014 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektkoordinator in der Arbeitsstelle „Textdatenbank und Wörterbuch des Klassischen Maya“ der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

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Sven Gronemeyer

Ab 1998 Studium der Altamerikanistik und Ethnologie, Vor- und Frühgeschichte und Ägyptologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. 2004 Magister mit einer epigraphischen Studie der Inschriften von Tortuguero, Mexiko. Von 2011 bis 2014 Promotionsstipendiat an der La Trobe University Melbourne, 2015 Promotion mit einer Arbeit über die orthographischen Konventionen der Mayaschrift und die phonemische Rekonstruktion des Klassischen Maya. Von 2010 bis 2012 Mitarbeiter im Proyecto Arqueológico Tamarindito. Von 2014 bis 2016 Vizepräsident von Wayeb (European Association of Mayanists). Honorary Associate der La Trobe University seit 2015. Preisträger 2015 der Nancy Millis Medal.

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Elisabeth Wagner

Studium der Altamerikanistik, Ur- und Frühgeschichte, Ethnologie und Klassischen Archäologie an der Universität Marburg, der Universität Köln und der FU Berlin. 1996 Magisterabschluss im Fach Altamerikanistik an der FU Berlin mit dem Thema „Personennamen und Relationale Glyphen in den Inschriften von Chichen Itzá, Yucatán, Mexico“. Doktorandin im Fach Altamerikanistik an der Universität Bonn (Thema der Dissertation: „Struktur 10L-18, Copán, Honduras: Rekonstruktion und ikonographische Analyse des bauplastischen Programms eines Grabtempels der klassischen Maya-Kultur“).

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Franziska Diehr

Master-Studium der Informationswissenschaft an der Humboldt-Univeristät zu Berlin. Abschluss 2013 zum Thema Datenmodellierung zur Beschreibung wissenschaftlicher Sammlungen. Davor Bachelor-Studium der Museumskunde an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Abschluss 2010 mit der Dokumentation eines fotografischen Konvolutes aus dem Bestand des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst.

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Maximilian Brodhun

Master-Studium der angewandten Informatik an der Georg-August-Universität Göttingen. Abschluss 2013 im Bereich des Datenmanagements in der Biomedizin und DNA-Sequenzierungs-Experimenten. Im Vorfeld erfolgte ein Bachelor-Studium der angewandten Informatik an der Georg-August-Universität Göttingen im Fachbereich der medizinischen Informatik. Abschluss 2011 im Bereich Service-Level-Agreements im GRID-Computing mit Anwendung in der Medizin.

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