Fundstätten- und Metadatenkonzept

Einleiten möchten wir unsere Zusammenstellung der Ruinenorte mit einer Diskussion des Fundortbegriffs, den wir im Rahmen des Projekts als terminus technicus verstehen. Die Geschichte und Bedeutung bisheriger Fundstättenlisten wird im Anschluss beleuchtet, da sie konzeptionelle Vorlagen für die hier vorgestellte Arbeitsliste bilden, deren Struktur und Metadatenfelder abschließend vorgestellt werden.

Die Fundortliste ist nicht nur als Arbeits- und Hilfsmittel von der Community für die Community konzipiert, sondern die Nutzer können via E-Mail sowohl Einträge kommentieren, Revisionen oder Ergänzungen vorschlagen als auch Fundorte melden, die noch nicht erfasst sind. Beiträge von Kollegen befinden sich zitierfähig in der Sektion „Bemerkungen“ der Fundstättendatenbank.

Problematik der Begriffsdefinition „Fundstätte“

Ruinenorte der Mayakultur sind ehemalige menschliche Siedlungen unterschiedlichen Ausmaßes und baulicher Organisation. Ihre Siedlungselemente stehen in einem unmittelbaren räumlichen Zusammenhang und bilden jeweils spezifische Strukturen, die das Ergebnis eines langen Prozesses menschlicher Interaktionen im Raum sind und die sich anhand von Artefakten und Befunden archäologisch nachweisen lassen (Baumeister 2010:7-9). In der Fachliteratur werden Siedlungen der Maya mit zentralen Tempel- und Wohnanlagen als „Städte“ definiert, da ihre Überreste als organisatorisch zusammengehörig vorgestellt werden. Darüber hinaus erscheinen sie auch äußerlich als dokumentierbare Einheiten: sie stellen räumliche Ausschnitte einer Kulturlandschaft dar, die vom Menschen im Laufe der Zeit gestaltet worden ist (Fehn 1975:69). Da jeder Ruinenort somit ein scheinbar eigenes, abgeschlossenes und subjektiv definierbares Erscheinungsbild aufweist, erhalten sie unter anderem Ortsbezeichnungen in Spanisch, Englisch oder in einer Mayasprache.

Die Problematik dieser Konzeption von Maya-Städten und Maya-Siedlungen besteht darin, dass ihre angenommene Abgeschlossenheit der besonderen Topographie und Vegetation der Kulturlandschaft geschuldet ist: sie lagen für Jahrhunderte wie Inseln im Grün des Regenwaldes verborgen. Dies führte dazu, dass bei ihrer Entdeckung der Eindruck entstand – und auch weiterhin besteht -, dass es sich bei diesen räumlich durch Regenwald oder Dornbuschsavannen voneinander abgegrenzten Siedlungsformen um gesellschaftlich und politisch eigenständig organisierte Einheiten handelt. Die Epigraphik hat die Existenz von Stadtstaaten festgestellt (Mathews 1991) und damit diese subjektive Ansicht in gewisser Weise bestätigt. Allerdings zeigen neuere Forschungsarbeiten, dass der Raum zwischen großen Siedlungen bzw. Städten dichter besiedelt war als bisher bekannt. Die Frage der Zugehörigkeit kleinerer Siedlungen in der Peripherie und dem Einzugsgebiet größerer Städte wird seit kurzem im Rahmen archäologischer Projekte intensiv erforscht.

Die Ergebnisse solcher Forschungsarbeiten zeigen, dass eine Vielzahl an Fundstätten, die einst als eigenständig betrachtet wurden, vielmehr Außenbereiche großflächigerer und bereits definierter Ruinenorte waren. Wie sich die Konzeption einer Fundstätte verändern kann, soll im Folgenden anhand zweier Beispiele veranschaulicht werden. In den 1930er Jahren zunächst als selbständiger Fundort ausgewiesen, konnte Macanxoc (Quintana Roo, Mexiko) im Zuge neuer archäologischer Erkundungen als Siedlungseinheit von Coba identifiziert werden (Thompson et al. 1932, Graham & von Euw 1997). Beide waren einst über einen sakbe (befestigten Weg) miteinander verbunden, wobei Coba das Zentrum darstellte. Mit dem Namen Coba wird wiederum der Kern einer Siedlungsagglomeration bezeichnet, der sich durch eine hohe Bebauungsdichte, Monumentalarchitektur und beschriftete Steindenkmäler auszeichnet. Die äußeren, flächenmäßig kleineren Siedlungseinheiten dieses Kerns, zu denen Macanxoc aber auch verschiedene Hofgruppen gehören, waren über sakbe mit ihm verbunden.

Ein weiteres Beispiel für Fundorte, die früher als unabhängige Fundstätten klassifiziert wurden, sind Cahal Pichik, Cahal Cunil, Hatzcab Ceel und Tzimin Kax in Belize. Auch sie sind untereinander durch sakbe verbunden und bildeten in der vorspanischen Epoche offenbar eine Siedlungseinheit, die heute als Mountain Cow bezeichnet wird. Hatzcab Ceel und Tzimin Kax sind alternative Namen für Mountain Cow bzw. die Appellative für zwei Hofgruppen innerhalb des Fundorts Mountain Cow (Morris 2004).

Die beschriebenen Siedlungsstrukturen vermitteln das Bild von homogenen und miteinander vernetzten Siedlungsräumen, die aus moderner, westlicher Sicht Familienähnlichkeiten mit dem Konzept „Stadt“ aufweisen. Die Wahrnehmung und Klassifikation von Maya-Fundstätten als „Städte“ resultieren allerdings aus subjektiven – in diesem Falle westlich geprägten – Vorstellungsbildern. Sie entwickeln sich laut Heineberg (2006:35-36) in der bewussten und/oder unbewussten Auseinandersetzung mit der Umwelt und werden bei der Bewertung eines bebauten Raums evoziert.

Bei der Benennung und räumlichen Zuordnung von Maya-Fundstätten kommt erschwerend hinzu, dass der Raum durch Topographie und Vegetation begrenzt und dadurch in Zonen zergliedert wird (siehe oben). Dadurch wurden in der Vergangenheit Fundorte als unabhängige Einheiten definiert und mit eigenen Appellativa versehen, obwohl sie bei genauerem Hinsehen in einem unmittelbaren räumlichen und historischen Zusammenhang standen. Archäologische Untersuchungen haben zwar gezeigt, dass in einzelnen Fällen Grenzen zwischen Siedlungsräumen durchaus mit Mauern und Palisaden markiert und verteidigt wurden (Golden et al. 2012). Die Mehrzahl der bislang bekannten Siedlungsräume lassen sich allerdings nicht in definierte Gebiete fassen. Sie waren vielmehr historisch gewachsene und heterogene Gebilde, die aus Hofgruppen, Siedlungseinheiten und Städten bestanden, die wir heute mit Namen zu unterscheiden und damit voneinander abzugrenzen versuchen.

Ob und in welcher Intensität Interaktionen zwischen Zentrum und Peripherie bzw. zwischen einzelnen Siedlungen bestanden, müssen archäologische Untersuchungen zeigen. Ein erster Schritt zur Klärung dieser Fragen bieten Modelle, die beispielsweise Siedlungszonen anhand verschiedener quantitativer und qualitativer Parameter, wie Siedlungsdichte oder Bauvolumen, zu bestimmen versuchen (Benavides C. 1981a:24, 105–115, 1981b:210–215). Auf diese Weise ist die räumliche Zuordnung verschiedenster Siedlungsverbünde möglich, was wiederum zu Agglomerationen von Fundstätten führen kann. Inwieweit die epigraphisch attestierte politische Zugehörigkeit Siedlungsstrukturen beeinflusste, ist bisher nur rudimentär geklärt (Eberl & Gronemeyer in press).

Die unterschiedliche Benennung benachbarter Siedlungen schließt weder aus, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt oder für eine längere Periode keine sozio-politischen Interaktionen existierten. Noch impliziert sie, dass die Räume mit ihren baulich-räumlichen Siedlungsstrukturen als heterogen aufgefasst wurden – nur die kritische archäologisch-historische Erforschung des Maya-Siedlungsgebiets kann Licht in diesen problematischen Sachverhalt bringen. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass Fundstättenlisten und die Benennung von Fundstätten immer den aktuellen Forschungs- und Arbeitsstand wiederspiegeln und damit per se operational sind. Letztere stellt zudem eine dokumentarische Hilfskonstruktion dar, die siedlungsgeographisch betrachtet durchaus ihre wissenschaftliche Legitimität besitzt. Sie wird daher auch im Rahmen des Projekts angewendet, wobei wir uns der Problematik künstlich gezogener Grenzen und unterschiedlicher Raumdefinitionen bewusst sind.

Appellativa von Fundstätten

Was die Eigennamen der Fundorte betrifft, so existieren historisch verankerte Namen wie zum Beispiel Uxmal, Chichen Itza oder Mayapan. Viele Fundstätten tragen auch Flurnamen, die sich auf Berge, Wälder, Gewässer, Fluren, Pflanzen oder Tiere in der Nähe von oder am Ruinenort selbst beziehen und im lokalen Sprachgebrauch überliefert wurden (Roys 1935; Gifford 1961). Fehlen lokale Bezeichnungen, so werden Appellativa verwendet, die sich zum Beispiel auf Fundumstände, Objekte oder Inschriften beziehen. Dies ist unter anderem bei der Fundstätte Uaxactun (übersetzt: 8 Baktun) der Fall, die Sylvanus G. Morley nach einer Inschrift benannte, auf der das Kalenderdatum Baktun 8 verzeichnet ist. Ein anderes Beispiel bietet die Fundstätte Xnaheb Ahse Enel in Belize, deren Name aus dem Q’eqchi-Maya stammt und „Ort des Gelächters“ bedeutet. Laut Wanyerka (1999) wurde sie nach einem Vorfall benannt, bei dem der Entdecker der Fundstätte, Dennis Puleston, an diesem Ort ausgerutscht sei und seine Begleiter zum Lachen gebracht habe. Für wenige Ruinenorte ist zudem nachgewiesen, dass die archäologische Ortsbezeichnung dem ursprünglichen, vorspanischen Appellativ entspricht. Der Name der Fundstätte Yaxha (Peten, Guatemala) zum Beispiel ist bereits in den lokalen Hieroglyphentexten attestiert und wird bis in die Gegenwart hinein verwendet (Stuart 1985).

Fundstättenlisten

Die erste Systematik von Maya-Ruinenorten mit Inschriften, die in Stein, Holz und Stuck gearbeitet sind, war ein Arbeitspapier mit einem Text- und Kalenderdatenverzeichnis, das Sylvanus G. Morley im Rahmen seiner Tätigkeit für die Carnegie Institution of Washington 1945 zusammenstellte und in seinem Todesjahr 1948 veröffentlicht wurde (Morley 1948). Die Liste enthält nicht nur ein Verzeichnis der 115 bis dahin bekannten Fundorte mit Maya-Inschriften, sondern auch eine tabellarische Übersicht mit 1313 Hieroglypheninschriften, die bis 1945 dokumentiert waren.

Unberücksichtigt blieben allerdings Texte auf Keramikgefäßen, Wandmalereien oder Miszellentexte aus Jade, Knochen, Muschel etc. Morleys Fundstättenliste ist nicht alphabetisch, sondern nach Größe des Fundorts sortiert, wobei zwischen: I) größeren Ruinenorten, II) kleineren Ruinenorten und III) Texten unbekannter Herkunft unterschieden wird. Die in ungeordneter Reihung aufgeführten Inschriftenträger sind mit ihrer jeweiligen Bezeichnung und Angabe der Fundstätte sortiert und durchgehend von 1 bis 2008 nummeriert. Gleichzeitig ließ Morley bei jedem Fundort eine größere Anzahl an Nummern unbesetzt, um künftige Inschriftenfunde in der Liste nachtragen zu können. Über die Fundstätten selbst ist wenig zu erfahren. Morley gibt lediglich alternative Fundortnamen an, ohne jedoch Angaben zum Land, Bundesstaat oder Departement (departamento) zu machen, in dem die Fundstätte liegt. Weiterführende Literaturangaben fehlen gänzlich.

Literaturangaben finden sich jedoch einige Jahre später in einer Fundstättenliste, die Eric Thompson im Anhang seines Hieroglyphenkatalogs veröffentlichte (Thompson 1962:404–411). Sie umfasst zwar 147 Fundorte in alphabetischer Sortierung und somit 32 Orte mehr als bei Morley, allerdings fehlt eine tabellarische Auflistung der zu diesem Zeitpunkt bekannten Hieroglypheninschriften. Innovativ an Thompsons Fundstättenliste ist, dass er Ortsnamen und Inschriftentypen erstmals in abgekürzter Schreibung in seinem Hieroglyphenkatalog integrierte: Cop. für Copan, Nar. für Naranjo, St. für Stele oder L. für Lintel.

Dieses Verfahren kam einige Jahre später auch in dem von Ian Graham initiierten Forschungsprogramm Corpus of Maya Hieroglyphic Inscriptions (CMHI) des Peabody Museum of Archaeology and Ethnology in Cambridge, Massachusetts, zur Anwendung. Es wurde 1968 mit dem Ziel gegründet, sämtliche Inschriftenträger – mit Ausnahme von Kodizes und Keramikgefäßen – inklusive Rahmeninformationen (Metadaten) systematisch zu dokumentieren und zu veröffentlichen (Graham 1975:1:7). Die Publikationen und Beschreibungskonventionen dieses Forschungsprogramms sind zu Standards im Fach geworden und bilden daher die Grundlage der Fundstätten- und Inschriftenliste des vorliegenden Projekts.

Ian Graham erklärte, dass er einheitliche Standards bei der Nomenklatur von Inschriftenträgern und Benennung von Fundorten anstrebe (Graham 1975:1:9). Als problematisch gestalte sich jedoch die Situation bei Fundorten, die in der Literatur unterschiedlich benannt werden (z.B. Moral/Morales, Benque Viejo/Xunantunich). In Anlehnung an Graham werden in der Fundstättenliste des Projekts daher sowohl präferierte als auch alternative Bezeichnungen für Fundstätte angegeben. Eine weitere Konvention Grahams, die das Projekt übernimmt, ist das Unterdrücken von Akzenten bei Namen, die aus Mayasprachen stammen. Graham führte darüber hinaus auch die bis heute gebräuchlichen Abkürzungskonventionen für Monumentklassen und Fundortnamen ein, die seither von unterschiedlichen Forschungsprojekten aufgegriffen, modifiziert und ergänzt wurden (Mayer 1983; Riese 2004; Mayer 2011, 1997).

Für die Fundstättenliste des Projekts bedeutet dies, dass Fundortnamen mit Hilfe des von Graham eingeführten Dreibuchstabencodes abgekürzt werden: YAX für Yaxchilan, PUS für Pusilha oder CPN für Copan. Die unterschiedlichen Klassen von freistehenden, portablen oder architekturgebundenen Inschriftenträgern werden entsprechend ihrer englischen Bezeichnungen ebenfalls abgekürzt: Mon. für monument (Monument), Trn. für throne (Thron) oder Lnt. für lintel (Türsturz). Die Fundstättenlisten des CMHI-Programms erschienen bisher in drei gedruckten Faszikeln (Graham 1975, 1982; Graham & Mathews 1999) und einer Online-Publikation (Fash & Corpus of Maya Hieroglyphic Inscriptions Program 2012). Die 1975 veröffentlichte Liste umfasste 202 Fundstätten. 1982 wurde eine Liste mit 268 und 1999 eine Liste mit 278 Fundorten publiziert. Die als PDF-Dokument erstellte Fundstättenliste von 2012 listet 457 Einträge auf. Die derzeitige Arbeitsliste des Bonner Projekts beinhaltet über 500 Fundorte.

Unsere Fundstättenliste geht konzeptionell und inhaltlich über die bisher publizierten Listen hinaus. Während das CMHI Rahmeninformationen zum Fundort – wie etwa alternative Namen, Lage, Zugänglichkeit, Forschungsgeschichte, Kartenmaterial, Inschriftenregister und Literatur in den Einleitungen zu den Werken – aufführt, ist es das Ziel des vorliegenden Projekts, solche Metadaten datenbankbasiert und damit dynamisch zu veröffentlichen und durchsuchbar zu machen. Wichtig sind hierbei Quellenangaben, die in den bislang publizierten Listen vernachlässigt wurden. Mit ihrer Hilfe können Nutzer unsere Angaben nachvollziehen und bei Bedarf prüfen. Auf der rechten Seitenleiste finden sich Metadaten zur Datenbank, aus denen hervorgeht, wie viele Einträge vorhanden sind, welcher Eintrag zuletzt bearbeitet und wann eine neue Fundstätte eingetragen wurde. Darüber hinaus ist auch ein Feedback zur Fundortdatenbank möglich. Hier können die Nutzer Korrekturen vorschlagen oder neue Fundstätten melden.

Metadaten

Die Fundortdatenbank ist auf zwei Ebenen angelegt. Der Einstieg findet über eine dreispaltige Tabelle statt, die alle Fundstätten enthält. Sie ist alphabetisch aufsteigend sortiert. Eine Neusortierung (alphabetisch absteigend) ist für alle Spalten der Tabelle möglich. In der ersten Spalte von links erscheint in blauer Schrift der präferierte Name der jeweiligen Fundstätte (gemäß der Konventionen des CMHI). Darunter erscheinen ggf. alternative Namen in schwarzer Schrift. Existieren mehrere Alternativnamen, dann werden sie durch ein Gleichheitszeichen „=“ getrennt.

In der mittleren Spalte „Akronym“ werden die Dreibuchstabencodes aufgeführt, die als Abkürzung für die Fundortnamen verwendet werden. Bislang erscheinen hier Akronyme, die nachweislich in publizierten Quellen erschienen sind (Riese 2004; Graham 1975, 1982; Graham & Mathews 1999; Fash & Corpus of Maya Hieroglyphic Inscriptions Program 2012; Mathews 2005). Mit Hilfe der Sortierungsfunktion lässt sich ein Überblick darüber verschaffen, welche Fundorte noch kein Akronym besitzen. In der dritten Spalte ist das Land und der Bundesstaat bzw. departamento/district angegeben, in denen sich der Fundort befindet. Die Sortierung ist hier ausschließlich nach Ländern möglich. Über das Suchfeld am Kopf der Fundstättenliste kann man sich standardmäßig Ruinenorte in Mexiko, Belize, Costa Rica, El Salvador, Guatemala und Honduras anzeigen lassen. Die Instant-Suchfunktion erlaubt auch eine Abfrage nach Namen oder Namensteilen von Fundstätten.

Der präferierte Name einer Fundstätte ist gleichzeitig ein Link, der zur zweiten Ebene der Fundortdatenbank führt. Diese bietet detaillierte Informationen zu jeder Fundstätte. Die Rahmeninformationen zu den einzelnen Fundorten umfassen: 1) Bezeichnungen, 2) Identifikationsnummern, 3) geographische Position, 4) Anzahl an Inschriften aus früheren Inventaren, 5) Onlinepräsenzen und 6) weiterführende Bemerkungen und Referenzen.

In der ersten Kategorie „Bezeichnungen“ führen wir weitere alternative Abkürzungen und Namen auf, die in der Forschungsliteratur belegt sind. Die entsprechenden Quellen sind unter der Kategorie „Quellen“ im Feld „Bemerkungen“ zu finden. Die Angabe von Alternativnamen ist essentiell, denn in der Literatur kursieren öfters verschiedene Namen für ein und dieselbe Fundstätte. Identifikationsnummern aus Normdateien und Thesauri zu zitieren und die Einträge der Fundstättenliste mit diesen zu verknüpfen, stellt eine weitere Möglichkeit dar, um eine Fundstätte eindeutig zu identifizieren. Normdateien sind Verzeichnisse von vereinheitlichten Bezeichnungen, die in einer Dokumentation als Schlagwörter (Deskriptoren) verwendet werden. Sie ermöglichen eine eindeutige Zuordnung und Identifikation von Personen(namen), Geografika, Sachschlagwörtern, Körperschaften, Werktiteln etc.

Wir verknüpfen Fundstätten auch mit dem Getty Thesaurus of Geographic Names Online (TGN). Es handelt sich dabei um eine Datenbank, in der aktuelle und historische Ortsbezeichnungen in verschiedenen Sprachen erfasst sind und die für die Anwendung in der Museumsdokumentation entwickelt wurde. Sie enthält zudem Informationen wie Geokoordinaten und Ortstypen. Der Thesaurus steht als open metadata zur Verfügung und kann durch die Anwender ergänzt und modifiziert werden. Fundorte unserer Datenbank werden daher nicht nur mit den Normdaten von TGN verknüpft, sondern das Projekt wird umgekehrt Normdaten in TGN einpflegen, etwa wenn bestehende Daten nicht korrekt sind oder Einträge fehlen.

Sofern ein Eintrag in TGN vorhanden ist, erscheint dieser in der Kategorie „Identifikationsnummer“ im Feld „Getty ID“. Die Fundstätten sind – wenn möglich – auch mit den Identifikationsnummern im Vokabular von GeoNames verknüpft. Diese Datenbank enthält über 10 Millionen geographische Namen, die in jeweils eine von neun Klassen und einen von über 645 Codes kategorisiert sind. Neben Ortsnamen in verschiedenen Sprachen sind auch Längen- und Breitengrade, Meereshöhen, Einwohnerzahlen und administrative Unterteilungen in der Datenbank enthalten. Alle Koordinaten verwenden WGS84 (World Geodetic System 1984), wie es auch in GPS zur Anwendung kommt. Wenn verfügbar, dann erhalten die Fundstätten auch fachspezifische Identifikationsnummern im Feld „Atlas ID“. Bei mexikanischen Fundorten wird die offizielle ID des INAH (Instituto Nacional de Arqueología e Historia) angegeben, bei guatemaltekischen die Fundort-Codes des IDAEH (Instituto de Arqueología e Historia) und bei belizischen die Registrierungsnummern des NICH (National Institute of Culture and History).

Für die meisten Fundorte ist die genaue geographische Lage gut dokumentiert. In der Kategorie „Position“ bieten wir Informationen zu: a) Land und politisch-territoriale Untereinheit, in der die Fundstätte liegt und b) geographische Koordinaten (WGS84). Nach Angabe des Landes und der politisch-territorialen Untereinheit folgt in Klammern ein ISO 3166-Code. Es handelt sich dabei um eine internationalen, standardisieren Ländercode, der aus drei Teilen besteht. Der erste Teil steht für den aktuellen Staat, der zweite Teil für die politisch-territoriale Untereinheit und der dritte Teil für ehemalige Staaten (seit 1977). Die geographischen Koordinaten werden im Dezimalformat angegeben und stammen aus unterschiedlichen Quellen, die wir unter „Quellen/Bemerkungen“ aufführen. Darüber hinaus stellen wir in dieser Kategorie einen Link zu einem Tool zur Verfügung, mit dessen Hilfe die von uns angegebenen Koordinaten umgerechnet werden können.

Jeder Eintrag wird mit Hilfe von Google Maps oder anderen Portalen auf seine Verlässlichkeit geprüft. Ist die angegebene, geographische Lage plausibel und wie exakt sind die Messungen? In vielen Fällen lassen sich die in der Literatur enthaltenen Angaben durch GoogleMaps verifizieren. Unsichere oder problematische Messungen werden unter „Quellen/Bemerkungen“ vermerkt. Jede Lage wird mit einer Quellenangabe belegt und kann durch den Nutzer anhand der eingebetteten GoogleMaps selbst überprüft werden.

Unter der Kategorie „Anzahl an Inschriften“ erscheint die Anzahl der Hieroglyphentexte, die in den beiden bislang publizierten Inschrifteninventaren dokumentiert sind. Das erste Inventar stammt von Sylvanus Morley aus dem Jahr 1948 (siehe oben). Bei dem zweiten Inventar handelt es sich um eine Übersicht von Berthold Riese (1980), die nicht nur alle bis dahin bekannten Fundorte mit Inschriften enthält, sondern auch für jeden Fundort die Anzahl der Inschriften angibt. Dieser Bereich wird zukünftig mit Angaben aus dem CMHI und eigenen Forschungsdaten ergänzt.

Darüber hinaus verknüpfen wir die Fundorte unter der Kategorie „Online“ mit der Internetpräsenz von Forschungsprojekten, verweisen auf etwaige Google Street View Ansichten und verlinken auf Facebook und Twitter, sofern diese Projekte über SocialMedia-Kanäle verfügen. Kommentare zum Fundort, der Verlässlichkeit von geographischen Koordinaten, zu Quellennachweisen usw. befinden sich unter „Bemerkungen“ und „Referenzen“. In den Referenzen finden sich nicht nur Quellenangaben zu den Einträgen selbst, sondern auch weiterführende Literatur, die in der Literaturdatenbank Zotero gepflegt wird und dadurch stets auf dem neuesten Stand gehalten werden kann. Die Literaturrecherche wird als Funktion in der Zukunft verfügbar sein.

Referenzen

Baumeister, Stefan
2010 Entwicklung eines internetbasierten Werkzeugs zur Unterstützung von Forschungs- und Kommunikationsprozessen in der Siedlungsforschung: Untersuchung der Potenziale digitaler 3D-Visualisierungen für die Rekonstruktion von baulich-räumlichen Siedlungsstrukturen. Unpublished Inaugural-Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn.
Benavides C., Antonio
1981a Cobá: Una ciudad prehispánica de Quintana Roo. INAH Centro Regional del Sureste, México, D.F.
1981b Cobá y Tulum: Adaptación al medio ambiente y control del medio social. Estudios de Cultura Maya 13: 205–222.
Eberl, Markus, and Sven Gronemeyer
in press Organización política y social. In Entre reyes y campesinos: investigaciones recientes en la antigua capital maya de Tamarindito, edited by Markus Eberl and Claudia Vela González. BAR International Series. Archaeopress, Oxford.
Fash, Barbara, and Corpus of Maya Hieroglyphic Inscriptions Program
2012 Corpus of Maya Hieroglyphic Inscriptions: Site Codes. Electronic Document. Corpus of Maya Hieroglyphic Inscriptions.
Fehn, Klaus
1975 Aufgaben der genetischen Siedlungsforschung in Mitteleuropa. ZAM – Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters 3: 69–94.
Gifford, James C.
1961 Place and Geographic Names in the Archaeological Nomenclature of the Maya Territory and Neighboring Regions. Cerámica de Cultura Maya 1(1): 3–25.
Golden, Charles W., Andrew Scherer, A. René Muñoz, and Zachary Hruby
2012 Polities, Boundaries, and Trade in the Classic Period Usumacinta River Basin. Mexicon 34(1): 11–19.
Graham, Ian
1975 Corpus of Maya Hieroglyphic Inscriptions, Volume 1: Introduction to the Corpus. Peabody Museum of Archaeology and Ethnology, Harvard University, Cambridge, MA.
1982 Corpus of Maya Hieroglyphic Inscriptions, Volume 3, Part 3: Yaxchilan. Peabody Museum of Archaeology and Ethnology, Harvard University, Cambridge, MA.
Graham, Ian, and Eric von Euw
1997 Corpus of Maya Hieroglyphic Inscriptions, Volume 8, Part 1: Coba. Peabody Museum of Archaeology and Ethnology, Harvard University, Cambridge, MA.
Graham, Ian, and Peter Mathews
1999 Corpus of Maya Hieroglyphic Inscriptions, Volume 6, Part 3: Tonina. Peabody Museum of Archaeology and Ethnology, Harvard University, Cambridge, MA.
Heineberg, Heinz
2006 Stadtgeographie. UTB Geographie 2166. Schöningh, Paderborn.
Lynch, Kevin
1960 The Image of the City. The Technology Press, Cambridge, MA.
Mathews, Peter
1991 Classic Maya Emblem Glyphs. In Classic Maya Political History: Hieroglyphic and Archaeological
Evidence, edited by Patrick Culbert, pp. 19-29. School of American Research, Cambridge, MA.
2005 Who’s Who in the Classic Maya World. Webpage. Foundation for the Advancement of Mesoamerican Studies (FAMSI).
Mayer, Karl Herbert
1983 Gewölbedecksteine mit Dekor der Maya-Kultur. Archiv für Völkerkunde 37: 1–62.
1997 Maya Miscellaneous Texts in British Museums. Maya Miscellaneous Texts 1. Academic Publishers, Graz.
2011 The Documentation of Unprovenanced Maya Monuments. IMS Explorer 40(2): 4–5.
Morley, Sylvanus G.
1948 Check List of the Corpus Inscriptionum Mayarum and Check List of all Known Initial and Supplementary Series. Carnegie Institution of Washington, the Division of Historical Research, Washington, D.C.
Morris, John
2004 Mountain Cow Sites: Survey, Excavations and Interpretations. Research Reports in Belizean Archaeology 1: 129–154.
Riese, Berthold
1980 Sechster Arbeitsbericht über die Hamburger Maya-Inschriften Dokumentation: Die Texte der Hamburger Maya-Inschriften Dokumentation nach dem Stand von September 1976. n.p., Hamburg.
2004 Abkürzungen für Maya-Ruinenorte mit Inschriften. Wayeb Notes 8: 1–21.
Roys, Ralph L.
1935 Place Names of Yucatan. Maya Research 2: 1–10.
Stuart, David
1985 The Yaxha Emblem Glyph as YAX-A. Research Reports on Ancient Maya Writing 1. Center for Maya Research, Washington, D.C.
Thompson, J. Eric S.
1962 A Catalog of Maya Hieroglyphs. The Civilization of the American Indian Series 62. University of Oklahoma Press, Norman, OK.
Thompson, J. Eric S., Harry E. D. Pollock, and Jean Charlot
1932 A Preliminary Study of the Ruins of Cobá, Quintana Roo, Mexico. Carnegie Institution of Washington Publication 424. Carnegie Institution of Washington, Washington, D.C.
Wanyerka, Phil
1999 A Brief Description of the Carved Monuments at Xnaheb, Toledo District, Belize. Mexicon 21(1): 18–20.