Textinhalte

Die Hieroglypheninschriften enthalten Informationen, die aus der Sicht des herrschenden Adels als aufzeichnungswürdig betrachtet wurden. Inhalte und Themen der Texte waren häufig davon abhängig, ob die Schrift- und Bildträger als öffentliche Memoria konzipiert oder eher für einen privaten Rahmen produziert wurden. Öffentliche Text- und Bildträger waren in der Regel Verlautbarungen des Königshofes mit dem Ziel, die Macht des Gottkönigs und seiner Lineage zu legitimieren. Im Zentrum dieser Texte steht daher der König als der Vollzieher der religiösen Pflichten und als Hüter der kosmischen Ordnung.

Eine große Rolle spielen Weiheinschriften, welche Berichte über die Fertigstellung und Rituale zur Einweihung von Monumenten und von Wohn-, Tempel- und Begräbnisbauten enthalten. Kulturell bedeutsame Artefakte und Schriftträger sind häufig mit langen autoreferenziellen Texten etikettiert, welche die „Biographien“ der jeweiligen Artefakte beschreiben sowie ihre Verwendung im Ritual. Biographische Angaben über den königlichen Auftraggeber bilden einen Prolog zu jenen Textteilen, die sich auf die Errichtung und Einweihung des Textträgers beziehen. Es sind vor allem diese historisch-biographischen Textbestandteile mit Berichten über Dynastiegründungen, Geburten, Thronbesteigungen, militärische Siege, Weihungen, Rituale und dynastische Beziehungen, die in den vergangenen Jahrzehnten zum Verständnis der Kultur und Politik der Königshöfe der
klassischen Zeit beigetragen haben.

Zu den im privaten Raum genutzten Textträgern gehören portable Artefakte, die Bestandteil der Kleidung und Ausstattung von Mitgliedern des Adels waren, aber auch polychrom bemalte und beschriftete Keramikgefäße. Trinkgefäße für Kakao aus Keramik wurden als eine Art sozialer Währung
nicht nur bei Festgelagen verwendet, sondern auch als Gastgeschenke zwischen Herrscherhäusern ausgetauscht oder als Tribut übergeben. Sie tragen hieroglyphische Weiheformeln und narrative Texte, welche die dargestellten Mythen oder Szenen aus dem höfischen Alltag der Könige kommentieren.

Die inhaltlich umfangreichsten Inschriftenkorpora bilden die Texte der drei erhaltenen Maya-Handschriften, die in das Jahrhundert vor der spanischen Eroberung datieren. Diese Bücher enthalten vorwiegend Almanache, divinatorische und mantische Texte, sowie Beschreibungen von Ritualen im Jahreslauf. Darüber hinaus gibt es astronomische Tafeln für den Venuszyklus, die Vorhersage von Sonnen- und Mondfinsternissen und vielleicht auch einen Marskalender. Die einzelnen Abschnitte enthalten Darstellungen übernatürlicher Akteure mit jeweils hieroglyphischen Beitexten.